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Kulturlandschaft


Netural Moresnet
Kulturlandschaft: Vielfalt bewahren

Der Naturschutzbund Deutschland fördert mit beispielhaften Projekten den Schutz der gewachsenen Kulturlandschaft.
Die Kulturlandschaft der heutigen Dreiländerregion entstand vor mehr als 2000 Jahren in der Epoche der römischen Herrschaft. Zur Versorgung der römischen Armee, die hier große Standorte unterhielt, wurden weite Flächen gerodet und die landwirtschaftliche Produktion entwickelt. Mit der Intensivierung der Agrarwirtschaft und der Zunahme des Flächenverbrauchs im 20. Jahrhundert war die traditionelle Kulturlandschaft, die zuvor immer ein intakter Lebensraum für die einheimischen Tier- und Pflanzenarten gewesen war, zahlreichen Bedrohungen ausgesetzt. Angesichts dieser Entwicklung hat sich der Naturschutzbund Deutschland (NABU) auch in der Grenzregion das Ziel gesetzt, den Erhalt der Kulturlandschaft zu fördern. Zu den vielfältigen Aktivitäten zählen die Pflanzung von Schnitt und Feldhecken, das Pflanzen und die Pflege von Kopf und Solitärbäumen, die Pflanzung und die Pflege von hochstämmigen Obstbäumen sowie der Schutz von Bäumen vor Verbiss.

Traditionelle Obstwiesen: Obstwiesen sind historisch gewachsene Elemente unserer Kulturlandschaft. Sie sind wichtig für das Landschaftsbild, für den Artenschutz, als Biotope und zum Erhalt alter heimischer lokaler Obstsorten. Im Rheinland werden Obstwiesen traditionell mit Rindern beweidet. Durch Überalterung und ausbleibende Pflege sind sie in Aachen bedroht. Ein Obstwiesenkataster soll Daten über die aktuelle Situation liefern und als Grundlage für ein zukünftiges Schutzkonzept dienen. Ein gutes Beispiel für die Arbeit des NABU ist die Obstwiese Finkenhag, die unmittelbar an der deutsch-niederländischen Grenze bei Orsbach liegt. Hier wird in der ackerbaulich intensiv genutzten Bördelandschaft ein Biotopverbundsystem geschützt, bestehend aus Hecken, Gebüschen, kleinen Eichengehölzen und Kopfbäumen sowie Grünlandstrukturen. Unter den neu angepflanzten Obstbäumen befinden sich solch alte Sorten wie Rote Sternrenette, Rheinischer Bohnapfel, Gräfin von Paris und Aachener Hausapfel. Das Gelände dient zudem als Bruthabitat für Offenland- und Feldbrüter: Rebhuhn, Schwarzkelchen, Dorngrasmücke, Mönchsgrasmücke, Gartengrasmücke, Sumpfrohrsänger, Gelbspötter, Zilpzalp, Fitis, Kibitz, Fasan. Zudem ist es ein Überwinterungsgebiet für die Kornweihe. Gepflegt werden die Biotope durch die extensive Beweidung mit Schafen sowie eine regelmäßige Obst- und Kopfbaumpflege.

Eine weitere Obstwiese befindet sich an der historischen Grenzanlage „Am Türmchen“ bei Vaalserquartier. Mit einer Fläche von über 5 Hektar und mehr als 200 Obstbäumen ist es die größte und bedeutendste Streuobstwiese in Aachen.